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Bibeltext

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann. Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus.

Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.
Während sie den Berg hinab stiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.


Bibeltext: MK 9, 2-10



Für Kinder

Es ist wie auf einem Sonntagsausflug: Jesus und seine Freunde sind auf einem Berg. Das Wetter ist schön, alles hell und strahlend. Der Alltag mit seinen Arbeiten und Aufgaben ist weit weg. Es ist ein bisschen ‚wie im Himmel’. Petrus möchte am Liebsten hier bleiben: nah bei seinen besten Freunden, nah bei Jesus und nah bei Gott.
Aber unten, bei den Menschen, gibt es noch viel zu tun für Jesus und seine Freunde. Darum gehen sie zurück zu den anderen. Doch sie wissen: Jesus ist wirklich Gottes Sohn. Und so himmlisch, wie es auf dem Berg war, wird es später für alle sein.
(Efi Goebel)

Für Erwachsene

Eine höchst seltsame Geschichte erzählt Markus hier. Zu verstehen ist sie nur, wenn man über die gleichen Kenntnisse des Alten Testaments verfügt wie der Evangelist und seine Leser in der jüdischen Welt. Denn wer mit der Torah, also den fünf Büchern Mose vertraut ist, erkennt in der Markus-Erzählung sofort die Wiederholung dessen, was mit Moses geschah (Ex 24 sowie Ex 33-35): Auch er steigt mit drei Begleitern auf den Berg Sinai, wo ihm allein am siebten Tag Gott in gleißendem Licht erscheint und den Bund mit seinem Volk schließt. In der Folge strahlt das Gesicht des Moses dermaßen, dass sich das Volk vor ihm fürchtet. Wie Mose wird auch Elija (2 Kön 2) in die himmlische Sphäre entrückt, die durch die Wolke symbolisiert wird, und in dieser Weise schildert Markus jetzt Jesus.
Unsere Verstörung über das ganze Geschehen symbolisieren die Jünger, allen voran Petrus. Der erste Papst geht uns auch im Nichtverstehen voran, denn auch er begreift die Pointe zunächst nicht.
Die Kernaussage des Evangeliums zeigt sich nämlich in den Unterschieden zu Moses und Elija: Jesus ist mehr als ein Prophet; es ist der Sohn Gottes und zwar ausdrücklich der „geliebte Sohn“. Mit unserem Verständnis der Trinität entschlüsselt sich diese Aussage leicht. Denn Gott, den die Bibel als reine Liebe bezeichnet (1 Joh), offenbart uns diese Liebe, teilt sich uns also selbst mit, und diese Selbstmitteilung nennen wir den Sohn, auch Christus genannt, und der ist ganz Gott, ganz Liebe.
Der alte Bund mit Mose hinterließ die Tafeln mit den zehn Geboten. An denen scheitern wir Menschen heute noch. Der neue Bund aber hinterlässt uns Christus selbst. Aber das wird uns erst richtig klar, nachdem wir an Karfreitag und Ostern erleben, dass Christus sogar für uns stirbt, um uns voran ins göttliche Leben zu gehen. Dieser Bund ist mehr als ein bloßer Vertrag; er ist die Zusage der unüberbietbaren Geborgenheit in Gottes Liebe, die Leben und Sterben überdauert.
(Diakon Dr. Andreas Bell)