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Bibeltext

In jener Zeit,
als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie bei ihm zusammen.
Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn auf die Probe stellen und fragte ihn: Meister,
welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.
Das ist das wichtigste und erste Gebot.
Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.

(aus dem Matthäusevangelium Kapitel 22, Verse 34 - 40)

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Für Kinder

Die frommen Juden hatten 248 Gebote und 365 Verbote zu befolgen. Eine fast unmögliche Aufgabe. Deshalb wollen sie im Gespräch mit Jesus wissen, ob es wichtigere und unwichtigere Vorschriften gibt und welche der Gebote er für die Wichtigsten hält.
Jesus antwortet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Er erinnert damit an die 10 Weisungen (Gebote), die Mose auf dem Berg Horeb von Gott selbst empfangen hat. Die drei ersten Weisungen betreffen das Verhältnis Mensch zu Gott und die vierten bis zehnten den Umgang der Mensch untereinander. Wer dies im Herzen trägt, daran denkt und danach handelt, hat die Botschaft Gottes verstanden.
Jesus fasst dies in das sog. Doppelgebot von der Gottes- und Nächstenliebe und sagt: „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten“. Die Liebe zu den Menschen und Gott hat Jesus in seinem Leben durch sein Wort und seine Tat immer wieder gezeigt.

(Martin Bartsch)

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Für Erwachsene

Für uns heute ist die Antwort Jesu nichts Besonderes. Bei seinen damaligen Zuhörern, den Schriftgelehrten, war das etwas anderes. Sie waren Experten darin, die hunderte von Einzelvorschriften für den Alltag der Juden zu kennen und einzuhalten: Speisegebote, Reinheitsgebote, Rechtsfragen und vieles mehr, insgesamt 613 Ge- und Verbote. Die Ansammlung von Vorschriften wurde das „Gesetz“ genannt. Wer fromm sein wollte, musste das Gesetz lebenslänglich penibel einhalten.
Jesus räumt mit dieser Form der Frömmigkeit auf. Kein noch so gesetzestreues Verhalten kann uns die Gnade Gottes erkaufen. Bei Gott können wir Menschen uns nichts verdienen. Wenn Gott uns nicht schon im Voraus liebt, bleiben wir ewig verloren.
Warum verlangt Jesus aber, Gott zu lieben? Gott lieben heißt, ihm vertrauen, dass auf seine Liebe immer Verlass ist. Und das bedeutet, dass ich seine Botschaft gerne höre, gerne das Evangelium von Gottes grenzenloser Liebe höre, immer wieder, mit Herz, Seele und Gemüt höre, bedenke, empfinde. Und wenn ich diese Liebe mit der ganzen Person an mich heranlasse, dann drängt es mich ganz von allein, den Mitmenschen Gutes zu wollen.
Wer liebt, fragt nicht mehr nach der Gesetzesgrundlage und dem Strafmaß für den Fall des Verstoßes. Denn die Liebe will ja schon selber, dass es dem anderen gut geht. Da brauchen wir kein Gesetz mehr. Zumal Gesetze auch gnadenlos und unmenschlich werden können, wenn sie hartherzig angewendet werden. Es kommt auch im Rechtswesen auf die Haltung an. Da hat Jesus auch heute noch recht.

(Dr.Andreas Bell)