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Bibeltext

Johannes hörte im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm
und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.
Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.
Als sie gegangen waren, begann Jesus zu der Menge über Johannes zu reden; er sagte: Was habt ihr denn sehen wollen, als ihr in die Wüste hinausgegangen seid? Ein Schilfrohr, das im Wind schwankt?
Oder was habt ihr sehen wollen, als ihr hinausgegangen seid? Einen Mann in feiner Kleidung? Leute, die fein gekleidet sind, findet man in den Palästen der Könige.
Oder wozu seid ihr hinausgegangen? Um einen Propheten zu sehen? Ja, ich sage euch: Ihr habt sogar mehr gesehen als einen Propheten.
Er ist der, von dem es in der Schrift heißt: Ich sende meinen Boten vor dir her;
er soll den Weg für dich bahnen.
Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.

(Mt 11, 2-11)

Für Kinder

Als Jesus in Israel lebte, hatten es die Menschen dort nicht leicht: Das Land wurde von fremden Herrschern regiert. Das brachte Armut und Gewalt mit sich. Viele wünschten sich einen eigenen König zurück, so wie es König David gewesen war. In diesen schlechten Zeiten erinnerten sie sich an ihre überlieferten Schriften, in denen es hieß: 'Gott wird einen Erlöser schicken.'
Nun waren schon öfter Männer in Israel als 'Erlöser' aufgetreten. Welcher aber war der richtige? Keiner war König geworden. Jeder hatte andere Ideen gehabt, wie es zur Befreiung kommen könnte.
Den fremdem Herrschern waren solche 'Befreier' ein Dorn im Auge, denn sie brachten Unruhe unter das Volk. Darum steckten sie so manchen dieser 'Befreier' ins Gefängnis. Auch Johannes war es so ergangen, nachdem er den Herrscher Herodes Antipas öffentlich kritisiert hatte. Eines Tages bat Johannes seine Freunde, die ihn im Gefängnis besuchten: 'Geht zu Jesus und fragt ihn, ob er der Befreier ist, auf den wir warten!'
Seine Freunde gingen zu Jesus. doch dessen Antwort war seltsam. Nicht 'ja' oder 'nein' sagte er, sondern: 'Erzählt Johannes einfach von dem, was ihr hier hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen Kranke werden gesund und Arme schöpfen Hoffnung.'
Diesen Satz kannte Johannes! Das war ein Satz aus den überlieferten Schriften! Damit sagte Jesus, dass er der erhoffte Befreier ist.!
Und so zeigte er den Menschen, wie die Befreiung kommen würde, wenn alle leben würden, so wie es Gott gefällt: aufeinander Rücksicht nehmen, einander helfen, dem anderen nichts Böses wollen. Eben nach Gottes Willen lebend!
Als die Freunde von Johannes gegangen waren, sagte Jesus zu den Menschen: 'Wartet nicht auf einen einzelnen Menschen, der euch befreien soll. Wartet nicht auf einen besonders reichen Mann oder auf einen besonders großen Held. Menschen wie Johannes den Täufer könnt ihr bewundern. Unter den Menschen hat es bislang keinen größeren gegeben als ihn.
Aber in Gottes Himmelreich ist der Kleinste noch größer als er!'

(Efi Goebel)

Für Erwachsene

Viele Christen suchen in der Bibel die Stelle, in der Jesus einmal kurz und bündig sagt: Ich bin Christus, der Sohn Gottes. Sie suchen wie damals Johannes im Gefängnis. Aber vergeblich.
Wenn Jesus die Frage beantwortet, ob er der Christus sei, dann redet er nicht über sich, sondern über die Dinge, die in seinem Umfeld geschehen. Das ist auffallend. Die Gottessohnschaft Christi wirkt sich nicht darin aus, dass Jesus zaubern könnte oder irgendwie anders die Menschen beeindruckt. Dass Jesus der Christus, das menschgewordene Wort Gottes ist, wirkt sich darin aus, dass das Wort Gottes gepredigt wird. Nur darum geht es. Den Armen wird die Frohe Botschaft von ihrem unvergänglichen Reichtum gesagt, von ihrer Gotteskindschaft, die nicht mit allem Geld zu kaufen ist. Die Kranken sind nicht mehr ausgeschlossen und werden nicht mehr als Sünder diffamiert, sondern haben wieder Anteil an der Gesellschaft. Wer sich nicht über Christus, das menschgewordene Wort von Gottes bedingungsloser Liebe ärgert, der freut sich über diese Liebe, und das nennt die Bibel Seligkeit.
Kurz gesagt: Dass Jesus der Christus ist, das menschgewordene Wort Gottes, kann der Hörer des Wortes daran erkennen, wie sehr er sich über das Wort freut und daraus lebt und wie gerne er das Wort weitersagt.
Johannes kannte noch die freudige Erwartung; wir kennen die selige Erfüllung.

(Diakon Dr. Andreas Bell)