EIN JAHRESKREIS VOLL LEBEN ...am weißen Sonntag
In der Osterzeit empfangen viele Kinder zum ersten Mal die Hl. Kommunion. Für viele ist der Sonntag nach Ostern, der sogenannte 'weiße Sonntag', der Erstkommuniontag. Hier erzählt uns Frau St. über ihre eigene Erstkommunion im Jahr 1923. Damals war sie 10 Jahre alt und lebte im Riesengebirge.

Frau St. hat nach dem großen Krieg , der 1945 endete, Familien betreut, die ihre Heimat verlassen mussten und noch kein neues Zuhause hatten. Im zweiten Beitrag erzählt sie von der Erstkommunion im Jahr 1948, drei Jahre nach dem Krieg. Die Kinder lebten wieder in einer Gegend, in der es kaum katholische Christen und darum auch keine katholischen Kirchen gab.
"Das bin ich, zur Erstkommunion im Jahre 1923. Da stand ich am Kommuniontag vor der Kirche und fand mich fein. Das war ein sehr aufregender Tag. Vor der Messe musste man nüchtern bleiben. Wir wohnten damals weit weg von der katholischen Kirche, dort lebten eben mehr evangelische Christen. So bin ich mit meinen Eltern fast 2 Stunden lang ohne Frühstück bis zur Kirche gegangen.
Das Kleid hat meine Mutter selber gemacht. Es war die Bluse von meiner Mutter, in Teile zerschnitten. Das Oberteil ist aus Resten von einem weißen Kleidchen meiner Schwester. Und damit nicht so auffällt, dass es zusammengestückelt ist, hat meine Mutter jedes Teil, das waren immer so schmale Streifen, mit Hohlsaum zusammen gemacht. Und dann so ein Krägelchen rum. Und eine Schleife auf dem Kopf. In Schlesien trug man keine weißen Kränzchen. Das einzige neue an mir war die Schleife, da war so ein Propeller. Auch die Kerze war nicht neu, sondern noch von meinem Bruder Walter.
Das Gebetbuch ist von meiner Tante Käthe ausgeborgt. Die Schuhe sind von meiner Schwester. Es waren Stoffschuhe, so wie Turnschuhe. Es gab einfach nichts Neues. Neu ist eben nur die Schleife. Aber das war mir eigentlich ganz egal. Warum es damals nichts Neues zur Kommunion gab? Weil es damals so ärmliche Zeiten noch waren, nach dem Krieg 1914-1918. Also gab es ist an dem Kind nichts Neues.
Und dieses Bildchen ist nur entstanden, weil meine Patentante, das war die Lehrersfrau von Bad Krummhügel, krank war. Sie wollte ihr Patenkind gern wenigstens auf dem Foto haben. Und da bin ich nach Krummhügel zum Photographen gewandert und dadurch ist das Bildchen entstanden, damit die Patentante mich sieht.
Also das war gar nicht so üblich, ein Foto machen. Das wäre eigentlich auch finanziell gar nicht möglich gewesen. Also: richtig beim Fotografen gemacht."
„ Hier auf der Burg Lichtenfels war 1948 Erstkommunion. Die Burg hatte einen Burgsaal, der groß genug war, um zu feiern. Das hintere Viertel war baulich gesperrt. Und da haben wir Birken geholt und haben das abgeteilt mit Birken und dann haben wir einen Altar gemacht und da war dann die Erstkommunion. Das ist der Küchentisch von der Hauswirtschafterin auf der Burg. Das Kreuz ist entstanden aus der Stalltüre von unserem Herrn Krämer, der wohnte dort: der hatte Hühner und die hatten eine Türe, die mit Maschendraht bespannt war, damit die Viecher nicht wegfliegen. Da haben wir die Türe ausgehangen, also nur einen Holzrahmen mit Maschendraht. Die Kinder mussten Blumen holen, das sind alles kleine Tannenzweige und das sind Margeriten, und das haben wir so gesteckt, ein großes Margeritenkreuz und das andere mit jungen Tannen. Und die Leute waren begeistert.

Wir haben für die Kommunion die Kinder aus 5 oder 6 Dörfern zusammengezogen. Da gab es nur 2 Mädchen und 14 Jungen. Für die Mädchen haben wir gebettelt und haben dann von irgendwoher Nesselstoff bekommen. Den haben wir gebleicht und so haben die Mädchen dann ein weißes Kleidchen gekriegt.“

Ein Jahr, 1949, später hat ein ganzes Dorf dazu beigetragen, für die doch recht armen katholischen Kinder ein schönes Kommunionfest zu gestalten:

„Das ganze Dorf nahm Anteil – Diaspora-Kinder, das sind ja vertriebene Kinder. Da hat jedes Haus im Dorf einen Kuchen gebacken und da rauf in ein Fest-Zelt gebracht. Da wurde tüchtig Kaffee gekocht und jedes Kommunionkind, es waren damals ca. 30 – 40, durfte Vater, Mutter und ein Geschwisterchen mitbringen. Und was überblieb, wurde für die anderen Geschwister mitgegeben.
Das hat denen an der Seele gut getan, dass das Dorf an den Vertriebenen Anteil nahm. Heute noch sprechen die Alten davon.“