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Auch diese Szene lieben die Künstler: Jesus im Jordan, Johannes mit ausgießender Geste über ihm und die Taube strahlend am Himmel. Leider steht das so überhaupt nicht in der Bibel.
Dem Evangelisten Markus geht es um zwei wichtige Aussagen: Zum einen um den Übergang von Johannes zu Jesus. Das Christentum soll bruchlos aus dem Judentum hervorgehen; Jesus wird als frommer Jude dargestellt, der die Taufe zur Vergebung der Sünden empfängt. Das war zu Lebzeiten des Evangelisten wichtig, denn die Spannungen zwischen Judentum und der jungen Kirche konnten tödlich enden.
Zum anderen soll aber die Besonderheit Jesu dargestellt werden. Er ist eben nicht einfach ein frommer Mensch, sondern Gottes Sohn. Und das ist das umwerfend Neue: Der Mensch kann sich bei Gott nichts verdienen, auch nicht durch eine Taufe, nach der das Sündigen doch bald weitergeht. Sondern Gott ist der Handelnde; er kommt den Menschen mit seiner Liebe entgegen.
Das wird in der Vision Jesu ausgedrückt. Wohlgemerkt ist es ausschließlich Jesus, der den Geist herabkommen sieht. Für Außenstehende ist der Vorgang unsichtbar. In dem Augenblick, in dem Jesus nach oben aus dem Wasser steigt, geschieht die Geistsendung vom Himmel nach unten. Beide Bewegungen laufen aufeinander zu: Der Mensch nach oben, Gott nach unten.
Warum ist das für uns heute wichtig? Was über Jesus berichtet wird, ist auf uns alle anzuwenden: Der Wunsch nach Sündenvergebung macht uns empfänglich für Gottes Gnade. Erst wenn ich mich vor Gott als bedürftig zeige, ist mein Herz offen für Gottes geschenkte Liebe. Erst wenn ich einsehe, von mir aus nur ein kleiner, sterblicher Mensch zu sein, kann ich mir sagen lassen, dass ich zusammen mit allen Menschen in Gottes grenzenloser Liebe unüberbietbar geborgen bin. Denn „im Heiligen Geist zu sein“ bedeutet, sich in der unendlichen Liebe Gottes zu wissen.
Warum wird der Geist mit einer Taube verglichen? Denken Sie an einen Sommertag, an eine in der Sonne aufflatternde weiße Taube: Ein Bündel Federn im Licht, ganz leicht, glänzend, reines Entzücken. Davor brauchen wir keine Angst zu haben; Gottes unendliche Liebe ist ausschließlich Grund zur Freude.
(Diakon Dr. Andreas Bell)
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