EIN JAHRESKREIS VOLL LEBEN Für Erwachsene
Am letzten Sonntag war schon einmal ein Heilungsbericht zu hören. Tatsächlich schließt sich das heutige Evangelium nahtlos an den Text vom letzten Sonntag an. Immer noch wirkt der Skandal: Jesus wendet sich verbotenerweise am Sabbat einer kranken, also mutmaßlich sündigen Frau zu.
Und wieder spielt der Text mit theologischen Begriffen: Die Predigt, das Beten, der Geist und das Dienen. Der Begriff Geist steht nicht für ein Gespenst, weil ja auch der Heilige Geist keines ist. Der griechische Begriff daimon steht eher für Beseelung oder Lebensprinzip, für das, was den Menschen erfüllt und bewegt. Ob unrein, böse – oder auch heilig.
Die Kernbotschaft aber ist das Vorgehen Jesu: Sein Beten, also das Hören auf Gottes Wort, geht dem Predigen voraus. Und zum Predigen ist er gekommen. Gottes Wort zu hören, sich ihm zu öffnen, innerlich wie äußerlich, ist die Voraussetzung dazu, dieses Wort auch weiterzusagen. Für Jesus gilt das gleiche wie für jeden Menschen, also auch uns: Wenn wir uns Gottes bedingungslose Liebe zu jedem Menschen sagen lassen und diese Liebe gerne annehmen, werden wir selber liebevoll und dazu fähig, diese Liebe weiterzusagen und auch ganz handfest weiterzugeben. Als Dienst beispielsweise, wie die Schwiegermutter des ersten Papstes oder wie Jesus selbst den Menschen auf seine Weise diente. Hoffen wir daher, dass Jesu Predigt auch außerhalb von Galiläa, zum Beispiel bei uns, immer wieder zu hören ist und auch uns mit Heiligem Geist erfüllt.
(Diakon Dr. Andreas Bell)