EIN JAHRESKREIS VOLL LEBEN Herr Türk
K.-H. Türk wurde 1926 als vierter Sohn der Familie geboren. Mit seinem Vater, der Tierarzt war, besuchte er als Kind oft die Bauernhöfe in und um seinen Heimatort. Dabei erlebte er, wie die Menschen auf dem Lande lebten, arbeiteten und feierten. Später, als Erwachsener, hatte er in seinem Beruf als Beamter bei der Gemeinde viel mit den Menschen in seiner Heimat Kontakt. Er begann aufzuschreiben, was die Menschen ihm über die Feste und Bräuche und über das Leben auf dem Lande erzählten:
Die Fronleichnamsprozession 1953 war wohl als Protest- und Bittprozession gedacht und zog durch den Wald, der durch einen geplanten Flugplatzbau gefährtdet war.
Die Prozession der Pfarre, zu der auch O. gehört, ging traditionell abwechselnd durch einen Teil der Gemarkung N. in einem Jahr und dann im nächsten Jahr zum Filialort O..
1953 zog sie nicht den üblichen Weg durch die Felder, sondern durch den Wald nach O.. Für diesen Bau war schon ab 2.9.1952 ein erster Vermessungstrupp tätig geworden. Mit den ersten Bauarbeiten wurde am 15.5.1953 begonnen.
Noch viele Jahre nach dem zweiten Weltkrieg waren die Straßen und Häuser am Prozessionsweg prächtig geschmückt. Tagelang vor dem Fest hatten die Kinder und Frauen in Feld, Wiesen und Wald Blumen und grünes Laub gesammelt. Am Morgen des Fronleichnamstages wurde es in einem ca. 1 m breiten Streifen auf die Straße gestreut. In manchen Dörfern wurde vor einigen Häusern ein bunter Teppich aus Sägemehl ausgelegt. In stundenlanger Arbeit dekorierte z.B. der Schreinermeister vor seinem Grundstück einen ABschnitt von ca. 25 m Länge. Schon morgens vor 7.00 Uhr begann er mit dieser Arbeit, für die er das ganze Jahr über in der Werkstatt anfallendes Sägemehl gesammelt hatte Ein mehr als 1 m breites rotes Sägemehlband war von zwei ungefärbten Streifen eingefasst. In einem Kreis stand in gelb das Christusmonogramm I H S . Auch im Unterdorf wurden siche Kunstwerke ausgelegt. Hier waren Kelch und Hostie und das Herz Jesu Schmuckmotive. Nur der Priester mit dem Allerheiligsten durfte dieses prachtvolle Kunstwerk betreten.
Über die Straßen waren Girlanden aus Tannengrün und bunte Fähnchen gespannt. Der Prozessionsweg war gesäumt von dicht nebeneinander stehenden mannshohen Birken. Dazwischen standen an weiß gestrichenen Stangen, mit vergoldeten Kreuzen auf der Spitze, Fähnchen in den Kirchenfarben rot-weiß, blau-weiß und gelb-weiß, viele auch mit aufgestickten religiösen Motiven: Lamm Gottes, Christus- und Marienmonogramm usw.. An einigen Punkten waren triumphbögen aufgestellt. Das waren eindrucksvolle, mit Tannen- und Birkengrün und von den Frauen hergestellten weißen Papierrosen besteckte torähnliche Durchgänge. In jedem Hauseingang, häufig auch im Torbogen oder Fenster, waren mit Kreuzen, Heiligenbildern und Figuren, brennenden Kerzen, Topf- und Schnittblumen usw. geschmückte Altäre aufgestellt.
In ganz besonderer Weise waren die Segensstationen an den vier Kreuzen geschmückt.

Von manchen Hauptgemeinden aus führte der Weg abwechselnd zu den Kirchspieldörfern ringsum. Bei dem häufig heißen Frühlingswetter war der mehrere Stunden lange Weg durch die schattenlosen Felder sehr beschwerlich. Die Teilnehmer litten unter dem aufgewirbelten Staub, besonders aber unter Durst. In den Dörfern wurden sie in den dort eingelegten Pausen mit Getränken erfrischt.