EIN JAHRESKREIS VOLL LEBEN Für Erwachsene
Das nennt man schlagfertig. Bei dieser Antwort dürfte den Pharisäern der Mund offen stehen geblieben sein.
Sicher wollte Jesus aber nicht nur aus der Fangfrage entkommen, sondern zugleich die Sinnlosigkeit der Frage aufdecken. Denn gläubige Menschen können sich nicht einfach aus der Welt davonmachen. Jeder von uns ist Teil eines größeren Zusammenhangs aus gegenseitigen Verpflichtungen und Unterstützungen. Wenn Christen keine Steuern zahlen würden, gäbe es bald weder Polizei noch Feuerwehr; Kranke wären auf sich gestellt, weil es weder Arztpraxen noch Krankenhäuser gäbe. Auch wenn wir unseren Staat nicht gut leiden können – ohne geht es nicht.
Deshalb ist nicht die Frage, ob wir unter staatlicher Hoheit leben wollen, sondern wie? Die Steuer ist des Kaisers, aber was ist Gottes? Alles, worüber der Kaiser, also die weltlichen Institutionen, keinen Einfluss haben: Unser Denken und Fühlen, unseren Mut und unsere Angst, unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe. Mit alle dem, fordert uns Jesus auf, sollen wir uns vertrauensvoll an den himmlischen Vater wenden. Der Staat will funktionierende Bürger, aber er garantiert weder Glück noch Seligkeit. Der Staat gibt vielleicht Geld, aber keinen Lebenssinn. Für den Staat sind wir nur Steuerzahler. Unsere wahre Identität sehen wir nur im Glauben: Unüberbietbar geliebte Kinder Gottes, kostbar und einzig, jeder, ohne Ausnahme. Wie wir dann unsere Funktion in Staat und Gesellschaft ausüben, ist eine Sache des nüchternen Nachdenkens.
(Diakon Dr. Andreas Bell)