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Die gewöhnliche, naturbelassene Auslegung dieses Gleichnis geht aus von dem drohenden Weltuntergang, dem Kommen des Richters und den klugen Gläubigen, die sich durch braves Beten und einen Vorrat an guten Werken auf den Gerichtstermin vorbereitet haben.
Die Auslegung des Gleichnisses im Sinne Jesu will den Text nicht anders denn als Gottes Wort verstehen, also als Darlegung der Botschaft von Gottes grenzenloser Liebe zu ausnahmslos jeden Menschen. Wie aber kann man das aus den Zeilen herauslesen?
Mit der Hochzeit und dem Kommen des Bräutigams meint die Bibel immer die Erscheinung Gottes unter den Menschen. Das ist ja für uns heute keine bloße Zukunftserwartung mehr, denn wir haben ja Gott in seinem Wort und in der daran anschließenden Feier der Sakramente immer real unter uns. Mehr kommt nicht mehr. In diesem Gleichnis aber geht es um unsere Aufnahmebereitschaft. Die setzt voraus, dass wir Gottes Wort wirklich hören wollen, weil uns die bloß frommen Worte nicht genügen. Genau das meinen die brennenden Lampen. Sie stehen für das Bedürfnis, sich Gottes unbedingte Liebe immer wieder gerne schenken zu lassen.
Ein glücklich liebender Mensch wird nie sagen: Ich lasse mich übermorgen gerne von meinem Partner lieben. Sondern er wird sagen: Hier und jetzt freue ich mich! So ist auch das Leben des Glaubenden. Sein Öl, also die Bedürftigkeit, in der unüberbietbaren Geborgenheit des himmlischen Vaters zu leben, geht niemals aus. Und nur der Glaubende wird das Kommen des himmlischen Bräutigams immer wieder freudig erwarten und ebenso feiern.
(Diakon Dr. Andreas Bell) |