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Über das Gleichnis, in dem der reiche Herr wohl für Gott steht und die Knechte für verschiedene Menschen, mag man sich zunächst erschrecken. Geschimpft und bestraft wird da. Aber es ist als Gleichnis auch nicht leicht verständlich. Was will es eigentlich in seiner Bildsprache ausdrücken?
Wichtig ist, das Gleichnis nicht von hinten zu lesen, von der Finsternis, dem Heulen und Zähneklappern. Von dort droht die Angst, und die lässt Menschen ihre Habe furchtsam vergraben. Das ist nicht die Predigt Jesu.
Denn die Geschichte beginnt ja mit dem Vertrauen, das Gott in die Menschen setzt. Die Talente, also ein zentnerschweres Silbervermögen, sind ein beachtliches Kapital: Ein Talent entsprach 6000 Denaren, also dem zwanzigfachen Jahresverdienst eines Arbeiters. Jeder Mensch erhält nun ein Kapital, das seinen Fähigkeiten entspricht. Und dann entscheidet es sich: Handelt der Mensch aus Angst heraus und stellt sich tot oder nimmt er das Zutrauen seines Gottes gerne in Anspruch und wird aktiv und lebendig? Denn das ist die ganze Predigt Jesu in all seinen Gleichnissen und Reden: Jeder Mensch ist immer und in jeder Situation, was auch kommt, unüberbietbar in Gottes Liebe geborgen. Nichts kann uns davon trennen. Deshalb brauchen wir nicht mehr aus Angst um uns zu handeln, sondern können tun, was zu tun ist. Wir können unserem Gewissen folgen, weil wir aus dem Vertrauen leben, dass wir in Gottes Augen immer gut dastehen, egal was andere Menschen sagen. Die Silber-Talente sind das Wissen um diese bedingungslose Liebe, die Einladung zum Glauben.
Jeder von uns wird gebraucht und ist persönlich wichtig. Der eine als Staatenlenker, der andere als Großmutter, die ihr Enkelchen herzt und zum Lachen bringt. Wieder einer als Buchhalter oder Musiker und gewiss auch einer als Bedürftiger, der „Danke“ sagt und damit einen anderen Menschen stolz und froh macht. Jedem vertraut Gott ein besonderes Leben an. Je nach seinen Fähigkeiten. Und unsere Berufung nennt das Gleichnis in völliger Klarheit: Teilnehmen an der Freude des Herrn.
(Diakon Dr. Andreas Bell) |