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Neben Geburt und Kreuzigung wurde keine Erzählung der Bibel so oft in der Kunstgeschichte dargestellt wie die Verkündigung. Die zahllosen Bilder, oft von berühmter Meisterhand, haben unseren Blick abgelenkt von dem theologischen Gehalt der Bibelstelle. Wir müssen hinter die goldglänzenden Bilder vorstoßen, um das Wort Gottes zu finden.
Die Ankündigung der Jungfrauengeburt steht im Lukasevangelium unmittelbar hinter der ähnlich verlaufenden Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers. Auch dessen Vater Zacharias bekommt vom Engel die fast wortgleiche Mitteilung, mit seiner unfruchtbaren Frau Elisabeth einen Sohn zu bekommen. Wie bei Zacharias bleibt auch gegenüber Maria offen, ob das Kind natürlich gezeugt werden wird oder anders.
Aber Jesus soll, anders als Johannes der Täufer, Sohn Gottes sein, ewiger Herrscher des Volkes Gottes. Jesus wird also nicht nur als Mensch angekündigt, sondern als heilig und göttlich. Der Engel steht im Sinn des altorientalischen Botenrechtes vollgültig für seinen Herrn; also kündigt hier Gott persönlich sein Erscheinen in der Welt an.
Der vierte Evangelist Johannes fasst diese Begebenheiten zu Beginn seines Evangeliums in eigenen Worten zusammen. Dabei erläutert er auch, dass die jungfräuliche Geburt in der Nachfolge Jesu eine Eigenschaft eines jeden Christen ist: „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind.“
Und jetzt wird aus der frommen Erzählung wirklich die Frohe Botschaft: Wir alle sind Kinder Gottes. Christen, also Glaubende, sind wir nicht durch Menschenweisheit, sondern durch Gottes Wort. Nur er ist unser Vater, der uns aus unendlicher Liebe erschaffen hat. Wenn wir uns diese Liebe nur von Herzen schenken lassen. Wie damals Maria.
(Diakon Dr. Andreas Bell) |