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Die Kirche war kaum zweihundert Jahre alt, da erhoben sich heftige Streitigkeiten zwischen den Gläubigen, sogar zwischen den Bischöfen. Sie stritten erbittert um die Frage, wer Jesus Christus denn war, oder besser, was er war: Gott oder Mensch?
Da dieser Streit, der zuweilen gewaltsam ausgetragen wurde, die Kirche zu spalten drohte, wurde ein Konzil zur allgemeinen Beratung abgehalten, schließlich ein weiteres, immer noch ohne den ersehnten Erfolg. Im Jahre 451 dann beschlossen die Bischöfe der ganzen Kirche feierlich im kleinasiatischen Chalkedon, dass Jesus Christus zwei Naturen besaß: Er war wahrer Gott und wahrer Mensch, ungeteilt und ungetrennt.
Mit dieser Entscheidung formulierte die junge Kirche einen der bedeutsamsten Lehrsätze ihrer Geschichte: Sie unterschied säuberlich zwischen dem historischen Menschen Jesus von Nazareth und dem Christus, dem Sohn Gottes, dem menschgewordenen Wort Gottes, in dem sich Gott den Menschen mitteilt. Als Mensch, so die Konzilsväter, sei uns Jesus in allem gleich gewesen, außer der Sünde. Als Gott wiederum sei er ganz und gar göttlich wie Gott-Vater, ewig, ungeschaffen, nicht den Augen der Menschen zugänglich, sondern ausschließlich ihrem Glauben.
Weihnachten feiert daher nicht den Menschen Jesu. Weihnachten ist keine Geburtstagsparty für den ältesten Sohn von Maria. Das Weihnachtsfest feiert die Menschwerdung Gottes, also das menschgewordene Wort von Gottes grenzenloser, unbedingter Liebe zu allen Menschen. Diese Botschaft, die Gott selbst ist, kann sich kein Mensch ausdenken. Sie ist göttlich.
Nur wer im Heiligen Geist ist, also um die unüberbietbare Geborgenheit in Gottes ungeschaffener Liebe weiß, der kann Christus zur Welt bringen, indem er die Botschaft weitersagt.
Der Gottessohn ist nicht menschlicher Herkunft, er ist ungezeugt. Maria hat zwar einen Knaben geboren. Aber dadurch hat sich der Heilige Geist, die ewige Liebe zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn, uns mitgeteilt. Durch den Mund Jesu, durch sein Tun, sein ganzes Leben. Und dadurch wissen wir, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann. Und das ist wahrhaftig ein riesiges Fest wert.
(Diakon Dr. Andreas Bell) |